Evidenzbasierte Traumatherapie in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter

Prof. Dr. Rita Rosner

 

Dieser Vortrag bietet einen Überblick über evidenzbasierte Interventionen in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter. Um die Studienlage für Kindheit und Jugend bewerten zu können, wird zuerst die mangelnde Passung der diagnostischen Kriterien für dieses Lebensalter diskutiert. Während für die frühe Kindheit bisher nur wenige Interventionen überprüft wurden, liegen für die Altersgruppe 7–17 eine Reihe von Metaanalysen vor, die insgesamt mittlere bis hohe Effektstärken für Psychotherapie gefunden haben. Als bisher am besten evaluiertes Einzelverfahren gilt die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie nach Cohen, Mannarino und Deblinger (2006), für die auch in Deutschland gute Ergebnisse bestätigt werden konnten. Jugendliche bilden eine spezielle Gruppe, die meist nicht getrennt untersucht wurde und insgesamt bisher zu wenig berücksichtigt wurde. Als beispielhafte Intervention wird hier die entwicklungsangepasste kognitive Verarbeitungstherapie (Cognitive Processing Therapy) vorgestellt. Für das Erwachsenenalter liegt mittlerweile eine Vielzahl von Studien vor, die hohe Effektstärken für die Prolongierte Exposition, die Kognitive Verarbeitungstherapie und für EMDR nachweisen. Für alternative Methoden wie etwa Yoga und Meditation zeigt sich eine geringere Wirksamkeit ebenso wie für Gruppentherapien. Für letztere werden allerdings große Unterschiede zwischen den einzelnen überprüften Ansätzen gefunden. Übersichten zu spezifischen Komorbiditäten wie Substanzabhängigkeit und Subgruppenanalysen attestieren den weiteren Forschungsbedarf.