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Marie Christine Dekoj

Marie Christine Dekoj ist Psychologische Psychotherapeutin (VT) und seit 2010 ACT-Therapeutin. Sie arbeitet in eigener Praxis in Ulm und Bad Saulgau. Einer ihrer Schwerpunkte ist die Behandlung psychisch erkrankter Elternteile sowie die Interaktionsbehandlung von Eltern-Kind-Paaren.
Marie-Christine Dekoj ist 1. Vorsitzende der Deutschsprachigen Gesellschaft für kontextuelle Verhaltenswissenschaften (DGKV). 

ACT in der Eltern-Kind-Psychotherapie

Vortrag

Der Vortrag befasst sich mit ACT als prozessfördernder Therapie insbesondere in der Arbeit mit Eltern und Kindern. Ist ein Teil dieser Dyade psychisch belastet oder erkrankt, wirkt sich das auf beide Teile bzw. auf die ganze Familie aus. Die dabei entstehende Dynamik ist durch Einzelpsychotherapie nur einer Person nicht in Gänze zu erfassen und zu behandeln, so dass sich die Frage stellt, ob für diese Patientengruppe eine andere Vorgehensweise funktional und hilfreich sein kann. Die ACT setzt u.a. durch das Erlernen von Akzeptanz und der Ausrichtung auf die eigenen Werte andere Schwerpunkte in der Therapie, die einen veränderten Umgang mit Gedanken und Gefühlen, sowohl störungsbezogen als auch allgemein, erlauben. In der Arbeit mit Eltern-Kind-Paaren werden diese Schwerpunkte angepasst und entsprechend des jeweiligen Prozesses individuell entwickelt.

Der Vortrag soll die therapeutische Arbeit mit ACT in der Arbeit mit Eltern-Kind-Dyaden aufzeigen und hierbei insbesondere die Prozessorientierung der Therapie und die dadurch entstehende Flexibilität direkt in den Sitzungen in den Fokus rücken. Metaphern und Übungen werden klientenbezogen angewendet und ermöglichen die Entwicklung familieneigener Werte, Bilder, Haltungen. Diese Eindrücke werden im Vortrag aufgezeigt. Auch die persönliche Erfahrung der Referentin in der Arbeit mit ACT in der Eltern-Kind-Psychotherapie wird dargestellt.

ACT in der Eltern-Kind-Psychotherapie

Workshop

ACT gehört zur dritten Welle der Verhaltenstherapie. In der ACT gibt es verschiedene Modelle, die das therapeutische Arbeiten strukturieren. Am bekanntesten ist das sogenannte Hexaflex, das auch im Workshop eingeführt wird. Im Workshop soll eine flexible Nutzung verschiedener Übungen und Metaphern erprobt werden, um den Patient*innen eine flexiblere Sichtweise auf eigene Verhaltensweisen (sowohl des beobachtbaren als auch des privaten Verhaltens) im Zusammenspiel mit den familiären Interaktionspartnern zu ermöglichen. Damit werden Fähigkeit eingeübt, in schwierigen oder problematischen Situationen in der Interaktion innere Zustände achtsam zu bemerken, sie zu benennen und Handlungen immer wieder darauf abzuprüfen, ob sie funktional im Sinne ihrer Werte und übergeordneten Absichten sind. Zunehmend entwickelt sich daraus eine flexiblere Haltung, die die Fixierung auf unangenehme innere Zustände auflöst, das eigene Handeln mehr an eigenen Werten orientiert und dem eigenen Leben mehr Sinn gibt.

Methoden
Es wird eine kurze Einführung in die Bezugsrahmentheorie geben, wie sie der ACT zugrunde liegt, und Grundkonzepte der ACT werden erläutert und praktisch eingeführt (vor allem das Modell des sogenannten Hexaflexs). Der Workshop strukturiert sich dann mit einem Wechsel aus kurzen theoretischen Einführungen, Übungen zur Selbsterfahrung und Kleingruppenarbeit (am „Patienten“). 

Weiterhin kommen kurze Videos und einfache Materialien wie WER-T Karten oder Bodenanker zur Anwendung. Raum für Fragen, Diskussionen und praktische Anliegen ist gegeben.

Ziele
Der Workshop ist sowohl für Erwachsenen- als auch für Kinder- und Jugendlichentherapeuten gedacht.
Die Teilnehmer*innen sollen:

  • Grundlagen der ACT und der Bezugsrahmentheorie nutzen können,
  • die Flexibilität und Prozessorientierung dieses Ansatzes erleben,
  • Erfahrungen in der Eltern-Kind-Therapie mit ACT sammeln,
  • befähigt werden, damit in ihren eigenen Therapien zu arbeiten.

 

Literatur
Ciarrochi J, Atkins PWB, Hayes LL, Sahdra K, Parker P (2016). Contextual Positive Psychology: Policy Recommendations for Implementing Positive Psychology into Schools. Frontiers in Psychology, Vol. 7, Article 1561, doi: 10.3389/fpsyg.2016.01561. 
Coyne L, Murrell AR. The Joy of Parenting: An Acceptance and Commitment Therapy Guide to Effective Parenting in the Early Years. Oakland: New Harbinger 2009.
Hayes LL, Ciarrochi J. The Thriving Adolescent. Oakland: New Harbinger 2015.
Hayes SC, Strosahl KD, Wilson KG. Akzeptanz- & Commitment-Therapie. Achtsamkeitsbasierte Veränderungen in Theorie und Praxis. Paderborn: Junfermann 2014.
Sedley B. Stuff That Sucks: A Teen's Guide to Accepting What You Can't Change and Committing to What You Can. Instant Help 2017.
Törneke N. Bezugsrahmentheorie. Eine Einführung. Paderborn: Junfermann 2012.
Turrell SL, Bell M. ACT for Adolescents: Treating Teens and Adolescents in Individual and Group Therapy. Oakland: New Harbinger 2016.
Villatte M, Villatte JL, Hayes SC. Mastering the Clinical Conversation. Language as Intervention. New York: Guilford Press 2016.
Whittingham KL. Becoming Mum. Pivotal Publishing 2013.