
Eva Faßbinder
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Supervisorin für Verhaltenstherapie, Schematherapie und Gruppenschematherapie
Bis 2005 Studium der Humanmedizin an den Universitäten Halle und Lübeck. 2006-2013 Facharztausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Zentrum für Integrative Psychiatrie, Universität zu Lübeck. Von 2014-2021 dort Oberärztin und stellvertretende Leitung des Ambulanzzentrums. Von 2021-24 Oberärztin am Zentrum für Integrative Psychiatrie Kiel. Seit 2024 selbstständig tätig in Privatpraxis für Psychische Gesundheit- Prävention, Psychotherapie, Coaching und Supervision - sowie als Dozentin. Leitung der Arbeitsgruppe Psychotherapieforschung und –entwicklung. Fortbildung in Schematherapie durch Arnoud Arntz, Jeffrey Young, Scott Kellog, Wendy Behary, Gitta Jacob, Joan Farrell und Ida Shaw. 2012 ISST-Anerkennung für Einzelschematherapie („Advanced“), 2014 für Gruppenschematherapie (Trainer/Supervisor Level)
Forschungsschwerpunkte: Schematherapie und andere 3. Welle Methoden, Gruppenpsychotherapie, Persönlichkeitsstörungen (v.a. Borderline-PS), Depression, posttraumatische Belastungsstörung, Emotionsregulation
Vortrag
Schematherapie in Gruppen
Die Schematherapie nach Jeffrey Young hat sich in den letzten Jahren zu einem erfolgreichen Standardverfahren v.a. für die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen entwickelt. Aufgrund der ermutigenden Forschungsergebnisse für die Einzelschematherapie wurden in den letzten Jahren auch vermehrt gruppenschematherapeutische Ansätze entwickelt und in mehreren Studien erfolgreich evaluiert. Die Gruppenschematherapie verbindet dabei die zentralen Annahmen der Schematherapie mit den kraftvollen Wirkfaktoren des Gruppensettings und ermöglicht Patientinnen so intensive korrigierende emotionale Erfahrungen:
Schemata und Modi werden häufig im Kontakt mit anderen Menschen „getriggert“ und führen dann zu interpersonellen Schwierigkeiten. In der Gruppe kann dies unmittelbar aufgegriffen und neues interpersonelles Lernen im sicheren Rahmen trainiert werden. Gruppenspezifische Wirkfaktoren wie Zusammengehörigkeitsgefühl, gegenseitige Unterstützung und Validierung sowie die empathische Konfrontation durch Therapeut*innen und andere Gruppenmitglieder fördern und verstärken die Veränderungen von Schemata und Modi. Besonders wichtig sind dabei der Einsatz von erlebnisbasierten Techniken im Sinne der Modusarbeit und die Schaffung einer heilsamen Gruppenatmosphäre als „Gruppenfamilie“ im Sinne des „Limited Reparentings“. Der Vortrag vermittelt die theoretischen und praktischen Grundlagen der Gruppenschematherapie und zeigt praxisnah, wie es gelingt, eine gute „Gruppenfamilie“ herzustellen und die erlebnisbasierten Techniken wirkungsvoll an den Gruppenkontext anzupassen.
Literatur:
Arntz, A., Jacob, G. A., Lee, C. W., Brand-de Wilde, O. M., Fassbinder, E., Harper, R. P., Lavender, A., Lockwood, G., Malogiannis, I. A., Ruths, F. A., Schweiger, U., Shaw, I. A., Zarbock, G. & Farrell, J. M. (2022). Effectiveness of Predominantly Group Schema Therapy and Combined Individual and Group Schema Therapy for Borderline Personality Disorder: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry, 79(4), 287-299. 10.1001/jamapsychiatry.2022.0010
Assmann, N., Schaich, A., Arntz, A., Wagner, T., Herzog, P., Alvarez-Fischer, D., Sipos, V., Jauch-Chara, K., Klein, J. P. & Hüppe, M. (2024). The effectiveness of dialectical behavior therapy compared to schema therapy for borderline personality disorder: A randomized clinical trial. Psychotherapy and Psychosomatics, 93(4), 249-263.
Demmert, A., Fassbinder, E. (2024). Therapietools Schematherapie in der Gruppe. Weinheim:Beltz.
Fassbinder, E., Schweiger U., Jacob, G. (2011). Therapietools Schematherapie. Weinheim:Beltz
Reiss, N., Farrell, J. M. & Shaw, I. A. (2015). Schematherapie erfolgreich anwenden: Ressourcen für Aufbau und Umsetzung in Einzel-, Gruppen-und kombinierten Settings: Junfermann Verlag.
