Schematherapie mit Erwachsenen (Individual Schema Therapy)
Die Schematherapie (ST) ist eine integrative Psychotherapie, die von Jeffrey Young entwickelt wurde und eine Weiterentwicklung der kognitiven Verhaltenstherapie darstellt. Sie integriert Erkenntnisse aus der Bindungs- und Entwicklungspsychologie sowie aus emotionsorientierten und erfahrungsbasierten Ansätzen.
Im Mittelpunkt stehen tief verwurzelte Muster (Schemata), die entstehen können, wenn grundlegende emotionale Bedürfnisse – beispielsweise nach Sicherheit, Bindung, Autonomie, Wertschätzung oder realistischen Grenzen – in der Kindheit oder Jugend nicht ausreichend erfüllt wurden. Diese Schemata beeinflussen häufig langfristig das Erleben und Verhalten. Mithilfe eines Modusmodells werden die daraus resultierenden aktuellen inneren Erlebens- und Bewältigungszustände transparent und gezielt therapeutisch bearbeitet.
Die Schematherapie sucht einen direkten Zugang zu Emotionen und emotionalen Grundbedürfnissen. Zu den spezifischen therapeutischen Techniken gehören insbesondere emotionsaktivierende Strategien wie imaginatives Überschreiben (ImRs), Stuhldialoge, sowie die gezielte Arbeit in und mit der therapeutischen Beziehung im Sinne des Limited Reparenting. Persönliche Ressourcen können gestärkt und neue, hilfreiche Bewältigungsstrategien entwickelt werden.
Die Schematherapie wird heute weltweit bei einer Vielzahl psychischer Erkrankungen eingesetzt. Ihre Wirksamkeit ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt. Besonders gut untersucht ist sie bei Persönlichkeitsstörungen. Darüber hinaus findet sie Anwendung bei chronifizierten Angststörungen, Depressionen, Zwangsstörungen, Essstörungen, Traumafolgestörungen sowie Beziehungs- und Selbstwertproblemen.
Ausgewählte Literatur
- Fassbinder, E., Schweiger, U. & Jacob, G. (2024). Therapie-Tools Schematherapie (3., neu ausgestattete Aufl.). Weinheim: Beltz.
- Jacob, G. & Arntz, A. (2026). Schematherapie in der Praxis. Weinheim: Beltz.
- Roediger, E. & Valente, M. (2025). Schematherapie. Kontextuell – prozessbasiert – interpersonal (4., vollständig überarbeitete Aufl.). Stuttgart: Schattauer.
- Young, J. E., Klosko, J. S. & Weishaar, M. E. (2006). Schematherapie – Ein praxisorientiertes Handbuch. Paderborn: Junfermann.
- Zens, C. & Jacob, G. (2026). Poster Schematherapie: Das Modusmodell auf einen Blick (2., überarb. Aufl.). Weinheim: Beltz.